Mittlerweile ist es schon mehr als ein Jahr her, dass ich zu meinem fast elfmonatigen Aufenthalt in Italien aufgebrochen bin. Entsprechend habe ich das Land jetzt auch schon seit mehr als einem Monat verlassen, habe meine Familie wieder gesehen, eine neue Behausung in Leipzig bezogen, einen gänzlich unitalienischen Urlaub in den Niederlanden verbracht und versuche nun zur Physik und zum deutschen Universitätsbetrieb zurück zu finden. Mailand kommt mir schon wieder reichlich weit weg vor.
Schade ist es schon, dass ich das Blog doch so schleifen gelassen habe. Ich möchte jetzt immerhin noch aus der Retrosperspektive ein paar abschließende Worte zur Erasmuszeit hinterlassen. Viele, viele noch ungezeigte Bilder verlinke ich auch, der Einfachheit halber als Verweise zu schon bestehenden Alben auf Facebook. Da werden euch eventuell alle Kommentare außer meinen eigenen ausgeblendet, wodurch zum Teil vielleicht auch der Sinn verloren geht…
Man hat es vielleicht an meinen Beiträgen etwas gemerkt: Richtig wohlgefühlt habe ich mich in Mailand erst zum Schluss. Der Abschied war dann doch etwas traurig. Letztlich würde ich wahrscheinlich nicht noch einmal diese Stadt für ein Auslandsjahr wählen. Es ist zu schwer, Freunde zu finden. Der Stadt fehlt ein freundliches Lebensgefühl. Wäre sie kleiner oder hätte sie zumindest auch nachts ein angemessenes Verkehrsnetz, wäre vieles einfacher gewesen. Das heißt nicht, dass alles schlecht war. Die ein oder andere unterhaltsame Party gab es schon. Aperitivo und die italienische Küche fehlen mir. In Mailands Parks kann man es durchaus aushalten. Das Kulturangebot ist erstklassig und oft auch günstig oder kostenlos. Aber dieses typische Erasmusleben, das ich aus der ferne bei Freunden, die anderswo unterwegs waren, sehen konnte, habe ich wenig kennengelernt. In vielerlei Hinsicht unschön war da auch, dass fast alle im Wohnheim wohnten.
Um sich besser bei den italienischen Studenten zu integrieren, wäre es wahrscheinlich eine gute Idee gewesen, entweder nur Kurse aus einem der drei ersten Jahre (also entsprechend dem deutschen Bachelor) oder nur aus einer Vertiefungsrichtung der specialistica / des Masters zu wählen. Ein Praktikumskurs wäre vielleicht auch ganz klug gewesen. Man muss aber auch sagen, dass ich es mir einfach gemacht habe. Gerade am Anfang war es viel leichter, auf andere Ausländer zuzugehen.
Alles in allen, wenn auch nicht alles optimal war, bin ich doch glücklich, das letzte Jahr im Ausland verbracht zu haben. Die vielen Reisen im Land waren schön, die Kultur habe ich doch ganz gut kennen lernen können, mit der Sprache bin ich zum Schluss ziemlich gut zurecht gekommen und einige gute Freunde bleiben mir hoffentlich erhalten.
Allgemein fand ich die Art, wie in Italien an der Uni gelehrt wird, nicht so berauschend. Man hätte aber bei der Vorlesungswahl noch mehr daraus machen können.
Vorlesungen im 2. Semester
- Ottica Quantistica (Quantenoptik) bei Casagrande
Die war wirklich ziemlich interessant und auch mal gut strukturiert. Es gibt ein handschriftliches Skript zum Kopieren in der Bibliothek, was aber fast unleserlich ist. Unverständlich, dass man das in den letzten 10 Jahren nicht mal hat texen können — besser mitschreiben! - Informazione e Calcolo Quantistici 2 (Quanteninformationstheorie) bei Paris
Schon ein interessantes Thema und sehr aktuell, der Dozent steckt wirklich in der aktuellen Forschung drin. Leider ist alles ziemlich abstrakt und der Vorlesungsstil besteht aus viel freiem Erzählen und wenig Tafelanschrieb, was für alle das Verständnis schwer gemacht hat, insbesondere, weil es für die Kursthemen wenig wirklich passende Literatur gibt.
Hier habe ich auch die Prüfung gemacht, die ich nicht all zu schwer fand. Da konnte man auch mal eine Aufgabe zuhause vorbereiten. - Teoria dei Sistemi a Molti Corpi 1 (Vielteilchentheorie) bei Molinari
Hier hatte ich mir viel erhofft, aber letztlich war es mir zu schwer verständlich und abstrakt. Es ging fast nur um irgendwelche Green’sche Funktionen, Feynman-Diagramme und Dyson-Reihen. Im Modul 2 würde davon für interessante Themen der kondensierten Materie Gebrauch gemacht. Ab dem kommenden Semester soll eh beides zusammen in einem sechsstündigen Kurs abgehandelt werden, was mörderisch sein wird.
Sehr viel mitgenommen habe ich nicht hiervon. Immerhin habe ich beim Nacharbeiten endlich mal die Integration in der komplexen Ebene etwas anzuwenden gelernt. - Geometria 2 (Gruppentheorie und Topologie) bei Canuto
Eine gut gehaltene Mathematikvorlesung, eigentlich zu elementar, vieles hatte ich schon vorher gehört. Ich dachte eigentlich, die Prüfung hätte ich noch für einen Schein fürs Nebenfach in Leipzig gebrauchen können. Wie ich jetzt mitbekommen habe, war das aber gar nicht nötig. Da hätte ich lieber etwas physikalischeres gehört.
Zu weiteren Vorlesungen im Sommersemester:
- Teoria Statistica dei Campi Quantistici (statistische Quantenfeldtheorie) bei Caracciolo
Da war ich nur die erste Woche. Die Vorlesung war gut und der Professor gab anscheinend regelmäßig in Englisch verfasste Skripte heraus. Mir kam es zu fortgeschritten vor, aber vermutlich hätte ich damit klarkommen können. Leider entschied ich mich dann am Anfang stattdessen für die Bassetti-Vorlesung (s.u.). Weil mir damals ärgerlicherweise noch die Prüfung in ART bevorstand, konnte ich nicht viele Vorlesungen parallel probieren. - Meccanica Statistica (statistische Mechanik) bei Bassetti
Wieder ein Versuch, statistische Physik zu lehren, der an der Uni Mailand fehlschlägt. Die Vorlesung ist ein einziges Chaos, ständig Fehler in den Rechnungen, unverständliche Anschriebe, halbe Argumentationen. Trotz allem ist der Dozent engagiert dabei, fragt öfters nach, ob man ihn gut verstanden hätte. Das hilft aber auch nur bedingt. Ich frage mich, wie es sein kann, dass er nicht mal die Vorlesungen vernünftig vorbereitet, wenn er den gleichen Kurs seit Jahren bis Jahrzehnten stets hält.
Zu allem Überfluss lief es so, dass die Vorlesung zweimal die Woche jeweils 180 Minuten stattfand. Als der Prof irgendwann länger krank war, bin ich danach kaum noch hin gegangen. Entsprechend fand die Lehrveranstaltung dann noch länger als alle anderen und zum Schluss dann noch öfter in der Woche statt… - Informazione e Calcolo Quantistici 1 (Quantum Computing) bei Strini
Hier wäre es vornehmlich um Quantencomputer gegangen. Der ziemlich alte Dozent nuschelte für mich fast unverständlich im römischen Akzent und schimpfte ziemlich viel über alles mögliche. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich hier viel lernenwürde. Ich hab aber gehört, dass einige ganz zufrieden waren.
Gut gemacht, klar strukturiert und sehr anspruchsvoll wäre z.B. auch die Vorlesung über Gravitation und Superstrings gewesen, aber ich konnte nicht alles probieren.
Reiseremineszenzen
Hier folgen nun die Fotogalerien mit Bildern, die ich hier noch nicht veröffentlicht habe. Es gibt viel zum Durchklicken, aber es lohnt sich zum Teil echt und geht bei Facebook ziemlich schnell! Einfach aufs jeweilige Bild klicken und schon geht es los.
Februarreise von Bari über Neapel, die Toskana und Bologna zurück
Elternbesuch zu Ostern, zu viele Ausflüge
Anbaden in Desenzano am Gardasee
Pavia im Mai
nicht sooo aufregend
Granada, ein Abstecher nach Spanien
auch da ist’s sehr schön, tanzt hier natürlich aus der Reihe
Mit Dominik am Lago Maggiore: Stresa und Inseln
wir waren auch in Parma, Modena und natürlich Mailand unterwegs, aber da habe ich noch keine Fotos hochgeladen
Sechs Tage Sizilien
Meine Abschlussreise mit Nyima zusammen war toll und doch haben wir so viel nicht sehen können. Trotzdem gibt es hier ziemlich viele Bilder:
Ich bin recht zufrieden mit dem, was ich vom Land gesehen habe..




























































































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